Different genes may cause autism in boys and girls
wasweissich moegliche Ursachen - 2. Aug, 18:21
wasweissich - 6. Aug, 18:48
Hallo Ulf,
schön, dass du hierher gefunden hats. Hier schreiben eigentlich zwei Leute: ich (Monika/ wasweissich) habe einen autistischen Sohn und Roland ebenfalls. Wir schreiben dieses Weblog zum Austausch und auch zur Sammlung von Informationen. Ist eigentlich ganz unspektakulär. Ich kann Vieles, was du schreibst, sehr gut verstehen.
Was das Buch von Jasmine O'Neill angeht: ich habe Vorbehalte, was diese Extrempositionen angeht, sowohl in die eine Richtung (Heilungswahn) als auch in die andere (Glorifizierung/ wirklich keinerlei Integration zu erwarten). Das ist eine ganz andere Ebene, auf der ich das Buch bewerte: nicht so sehr persönlich, als vielmehr im Kontext der immer stärker auseinanderdriftenden Ansätze, die diskutiert und praktiziert werden. Es war bei mir eben auch bei weitem nicht das erste Buch, das ich las und insofern konnte es da keinen großen Aha-Effekt mehr geben. Meiner Meinung nach kann keine Extremposition wirklich sinnvoll sein: um zu erreichen, dass das Kind sich öffnet, nicht autoaggressiv wird und Stereotypien überwindet, muss man - meiner Erfahrung nach - eine ganz schwierige Gratwanderung betreiben. Bei meinem Sohn ist es so, dass er sehr frustriert ist, wenn er seine Bedürfnisse nicht ausdrücken kann, er braucht also Förderung, die ihm dabei hilft, dabei kompetenter zu werden. Andererseits darf er auf keinen Fall überfordert, übertherapiert werden, weil er dann wiederum ebenfalls autoaggressiv wird und sich total verweigert. Man muss ihm Zeit geben, man muss ihm Freiräume geben, aber man muss auch etwas von ihm verlangen. Das ist ein ganz schwieriger Königsweg. Da wird man mal in die eine und mal in die andere Richtung abdriften, aber wenn man das Verhalten des Kindes gut beobachtet, kann man die Zeichen deuten und sich anpassen. Liebevoll, ja, aber durchaus auch mit einer Erwartungshaltung. Wir und alle Menschen müssen das auch leisten - heruntergeschraubt auf die Möglichkeiten dieser Kinder kann man auch ein bisschen von ihnen erwarten und ich habe bereits festgestellt, dass sie das durchaus auch als sehr positiv empfinden können.
Dass wir hier auch neue Erkenntnisse der Forschung über mögliche Ursachen aufnehmen, heißt übrigens überhaupt nicht, dass wir unsere Kinder (und Autisten allgemein) nicht so annehmen, wie sie sind. Das Interesse für die Ursachen hindert doch in keinem Fall daran, die Person so zu lieben, wie sie ist.
Deine Einschätzung, dass es viele unfähige Mitarbeiter und Einrichtungen gibt, kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung (noch) nicht teilen. Die Frühfördergruppe der "Hilfe für das autistische Kind", die mein Sohn besucht, ist hervorragend. Aber Berlin ist da sicher auch ein privilegierter Standort.
schön, dass du hierher gefunden hats. Hier schreiben eigentlich zwei Leute: ich (Monika/ wasweissich) habe einen autistischen Sohn und Roland ebenfalls. Wir schreiben dieses Weblog zum Austausch und auch zur Sammlung von Informationen. Ist eigentlich ganz unspektakulär. Ich kann Vieles, was du schreibst, sehr gut verstehen.
Was das Buch von Jasmine O'Neill angeht: ich habe Vorbehalte, was diese Extrempositionen angeht, sowohl in die eine Richtung (Heilungswahn) als auch in die andere (Glorifizierung/ wirklich keinerlei Integration zu erwarten). Das ist eine ganz andere Ebene, auf der ich das Buch bewerte: nicht so sehr persönlich, als vielmehr im Kontext der immer stärker auseinanderdriftenden Ansätze, die diskutiert und praktiziert werden. Es war bei mir eben auch bei weitem nicht das erste Buch, das ich las und insofern konnte es da keinen großen Aha-Effekt mehr geben. Meiner Meinung nach kann keine Extremposition wirklich sinnvoll sein: um zu erreichen, dass das Kind sich öffnet, nicht autoaggressiv wird und Stereotypien überwindet, muss man - meiner Erfahrung nach - eine ganz schwierige Gratwanderung betreiben. Bei meinem Sohn ist es so, dass er sehr frustriert ist, wenn er seine Bedürfnisse nicht ausdrücken kann, er braucht also Förderung, die ihm dabei hilft, dabei kompetenter zu werden. Andererseits darf er auf keinen Fall überfordert, übertherapiert werden, weil er dann wiederum ebenfalls autoaggressiv wird und sich total verweigert. Man muss ihm Zeit geben, man muss ihm Freiräume geben, aber man muss auch etwas von ihm verlangen. Das ist ein ganz schwieriger Königsweg. Da wird man mal in die eine und mal in die andere Richtung abdriften, aber wenn man das Verhalten des Kindes gut beobachtet, kann man die Zeichen deuten und sich anpassen. Liebevoll, ja, aber durchaus auch mit einer Erwartungshaltung. Wir und alle Menschen müssen das auch leisten - heruntergeschraubt auf die Möglichkeiten dieser Kinder kann man auch ein bisschen von ihnen erwarten und ich habe bereits festgestellt, dass sie das durchaus auch als sehr positiv empfinden können.
Dass wir hier auch neue Erkenntnisse der Forschung über mögliche Ursachen aufnehmen, heißt übrigens überhaupt nicht, dass wir unsere Kinder (und Autisten allgemein) nicht so annehmen, wie sie sind. Das Interesse für die Ursachen hindert doch in keinem Fall daran, die Person so zu lieben, wie sie ist.
Deine Einschätzung, dass es viele unfähige Mitarbeiter und Einrichtungen gibt, kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung (noch) nicht teilen. Die Frühfördergruppe der "Hilfe für das autistische Kind", die mein Sohn besucht, ist hervorragend. Aber Berlin ist da sicher auch ein privilegierter Standort.
Ulf (anonym) - 13. Aug, 19:12
Hallo Monika,
ich habe mich sehr über Deine Antwort gefreut. Schön finde ich auch, dass Du zu Deinem großen Glück bisher gute Erfahrungen gemacht hast, was den Umgang anderer mit Deinem Sohn angeht.
Berlin. Ja, da kann ich mir gut vorstellen, dass dort einige Dinge anders laufen. Ich habe Freunde in Berlin Karlshorst und bin gerne dort!
Ich lebe und arbeite in Essen in NRW/Ruhrgebiet und da sieht es, besonders in bestimmten Einrichtungen, ganz anders aus.
Du als Mutter Deines Sohnes, nicht dumm und vor allem auch interessiert, bietest eine ganz andere Ausgangssituation für die Entwicklung Deines Kindes.
Bei mir war es so, dass ich mich um das Kind fremder Leute gekümmert habe und diese sehr einfach gestrickt sind, dazu aus einem Kulturkreis kommen in dem man nicht weiss was Autsimus ist und wo man auch kein Wort dafür kennt. Die Eltern leben in Scheidung, der Vater trinkt; schwankt hin und her zwischen: "Mein Sohn ist nur zu 30% Autist", und "Mein armer Sohn ist behindert, er ist Autist, nehmen sie Rücksicht".
Solche Eltern sind schwerlich in der Lage, noch dazu wenn man kaum Deutsch versteht, die richtige Einrichtung für ihr Kind auszuwählen. Leider haben sie keine gute gewählt; eher eine die dafür bekannt ist, das sie autismusunfreundlich ist.
In dieser Einrichtung, wo es nur um Hierachien ging und nicht darum, ob es den Kindern gut geht, habe ich einen täglichen Kampf zu kämpfen gehabt. Ich musste das Kind schützen, mich behaupten - da ich selber autistsich bin führte ich mit dem Kind zeitweise ein Inselleben innerhalb der Einrichtung. Ich wurde angefeindet, da ich ganz unkonventionelle Wege eingeschlagen hatten, die zum Frust aller eben auch Erfolge brachten.
Das angeblich nicht integrierbare Kind hat sich mir im Laufe der Zeit geöffnet, gespielt, kontakt zu mir aufgenommen, angefangen zu sprechen, ist auf die Toilette gegangen, hat Ängste abgebaut und ist in jeder Hinsicht gewachsen.
Ich habe jeden Tag, jeden kleinsten Erfolg des Jungen dokumentiert und habe gekämpft darum, dass er sich so entwickeln darf, wie er es brauchte, gegen jede Regel.
Ich hatte zum Glück großen Einfluß darauf, auf welche Schule er kommt und bin glücklich darüber, dass er den Schulstart in der vergangenen Woche so gut geschafft hat.
Ich war so frustriert darüber, dass angeblich gut ausgebildete Pädagogen überhaupt kein Gespür für die jeweiligen Situationen hatten...
Sie hatten keinen Respekt vor dem Kind!
Ich hingegen habe von dem Jungen mindestens so viel gelernt wie er von mir und ich übertreibe nicht wenn ich Dir sage, dass ich oft vor Glück geweint habe, wenn er es geschafft hatte über sich selbst hinaus zu wachsen und Dinge zu tun, die keiner für möglich gehalten hatte...
Wir haben eine ganz eigene Art zu kommunizieren aufgebaut, eine Art zu sprechen und ich spüre intuitiv was er möchte. Er weiss auch genau, dass es so ist und, dass ich ihn verstehe und das verrückte ist, niemand, nicht mal seine Eltern haben einen solchen Zugang zu ihm wie ich - das beste aber ist, wenn sich andere daruf einlassen und Art und Weise des Sprechens anpassen, reagiert der Junge und alle sind verblüfft über seine Fähigkeiten.
Warum ich das alles eigentlich schreibe frage ich mich?
Vielleicht, weil ich mich selber mit meiner Art mit autistsichen Menschen umzugehen diskriminiert fühle? Ich weiss es nicht. Jedenfalls arbeite ich noch immer daran, dass man autistische Menschen und überhaupt Menschen mit Behinderungen nicht diskriminiert.
Vielleicht kennst Du diese Einrichtung:
http://www.autisme-exodus.org/00_home.html
Vielleicht kannst Du ja etwas damit anfangen.
Wie alt ist Dein Sohn?
Bis dann, Ulf
ich habe mich sehr über Deine Antwort gefreut. Schön finde ich auch, dass Du zu Deinem großen Glück bisher gute Erfahrungen gemacht hast, was den Umgang anderer mit Deinem Sohn angeht.
Berlin. Ja, da kann ich mir gut vorstellen, dass dort einige Dinge anders laufen. Ich habe Freunde in Berlin Karlshorst und bin gerne dort!
Ich lebe und arbeite in Essen in NRW/Ruhrgebiet und da sieht es, besonders in bestimmten Einrichtungen, ganz anders aus.
Du als Mutter Deines Sohnes, nicht dumm und vor allem auch interessiert, bietest eine ganz andere Ausgangssituation für die Entwicklung Deines Kindes.
Bei mir war es so, dass ich mich um das Kind fremder Leute gekümmert habe und diese sehr einfach gestrickt sind, dazu aus einem Kulturkreis kommen in dem man nicht weiss was Autsimus ist und wo man auch kein Wort dafür kennt. Die Eltern leben in Scheidung, der Vater trinkt; schwankt hin und her zwischen: "Mein Sohn ist nur zu 30% Autist", und "Mein armer Sohn ist behindert, er ist Autist, nehmen sie Rücksicht".
Solche Eltern sind schwerlich in der Lage, noch dazu wenn man kaum Deutsch versteht, die richtige Einrichtung für ihr Kind auszuwählen. Leider haben sie keine gute gewählt; eher eine die dafür bekannt ist, das sie autismusunfreundlich ist.
In dieser Einrichtung, wo es nur um Hierachien ging und nicht darum, ob es den Kindern gut geht, habe ich einen täglichen Kampf zu kämpfen gehabt. Ich musste das Kind schützen, mich behaupten - da ich selber autistsich bin führte ich mit dem Kind zeitweise ein Inselleben innerhalb der Einrichtung. Ich wurde angefeindet, da ich ganz unkonventionelle Wege eingeschlagen hatten, die zum Frust aller eben auch Erfolge brachten.
Das angeblich nicht integrierbare Kind hat sich mir im Laufe der Zeit geöffnet, gespielt, kontakt zu mir aufgenommen, angefangen zu sprechen, ist auf die Toilette gegangen, hat Ängste abgebaut und ist in jeder Hinsicht gewachsen.
Ich habe jeden Tag, jeden kleinsten Erfolg des Jungen dokumentiert und habe gekämpft darum, dass er sich so entwickeln darf, wie er es brauchte, gegen jede Regel.
Ich hatte zum Glück großen Einfluß darauf, auf welche Schule er kommt und bin glücklich darüber, dass er den Schulstart in der vergangenen Woche so gut geschafft hat.
Ich war so frustriert darüber, dass angeblich gut ausgebildete Pädagogen überhaupt kein Gespür für die jeweiligen Situationen hatten...
Sie hatten keinen Respekt vor dem Kind!
Ich hingegen habe von dem Jungen mindestens so viel gelernt wie er von mir und ich übertreibe nicht wenn ich Dir sage, dass ich oft vor Glück geweint habe, wenn er es geschafft hatte über sich selbst hinaus zu wachsen und Dinge zu tun, die keiner für möglich gehalten hatte...
Wir haben eine ganz eigene Art zu kommunizieren aufgebaut, eine Art zu sprechen und ich spüre intuitiv was er möchte. Er weiss auch genau, dass es so ist und, dass ich ihn verstehe und das verrückte ist, niemand, nicht mal seine Eltern haben einen solchen Zugang zu ihm wie ich - das beste aber ist, wenn sich andere daruf einlassen und Art und Weise des Sprechens anpassen, reagiert der Junge und alle sind verblüfft über seine Fähigkeiten.
Warum ich das alles eigentlich schreibe frage ich mich?
Vielleicht, weil ich mich selber mit meiner Art mit autistsichen Menschen umzugehen diskriminiert fühle? Ich weiss es nicht. Jedenfalls arbeite ich noch immer daran, dass man autistische Menschen und überhaupt Menschen mit Behinderungen nicht diskriminiert.
Vielleicht kennst Du diese Einrichtung:
http://www.autisme-exodus.org/00_home.html
Vielleicht kannst Du ja etwas damit anfangen.
Wie alt ist Dein Sohn?
Bis dann, Ulf

Wer oder was...
Eigentlich weiss ich in diesem Fall nicht WER hier etwas über WEN erzählt? Das ist sehr schade. Oder habe ich es nur noch nicht gefunden?
Ich selber habe durch die Betreuung eines autistischen Kindes und die intensive Beschäftigung mit Autismus herausgefunden (durch Tests bestätigt), dass ich selber deutlich autistische Züge aufweise. Möglicherweise ist das der Grund für die Erfolge die dieses Kind während meiner Betreuung erzielte.
Ich habe viele Meinungen gehört, viele verzweifelte und erfolglose Versuche von sogenannten Fachleuten beobachtet das Kind an bestimmte Verhaltensweisen zu gewöhnen und letztendlich war ich frustriert und überzeugt davon, dass es sehr viele Einrichtungen mit vielen unfähigen Mitarbeitern gibt, die dem Kind und seiner Entwicklung eher schaden.
Meine Überzeugung ist: wenn man sich viel Zeit nimmt, dem Kind zusieht, zuhört, sich einfühlt, einlässt, eigene Ängste überwindet, Grenzen überschreitet und überschreiten lässt; wohlwollend und auch in der größten Not voller Liebe ist - wird das autistsiche Kind Erfolge erzielen und sich weiterentwickeln.
Es wird zuviel probiert, vor allem von zu jungen und inkompetenten Mitarbeitern, besonders in integrativen Einrichtungen. Es geht um Methoden und "wer-macht-es-denn-am-besten" als darum, dem autistischen Menschen Sicherheit zu vermitteln.
Wenn man es schafft dem autistischen Kind eine Situation anzubieten in der es sich sicher fühlt, wird es evtl. Stereotypien vermindern/ablegen und sich schrittweise öffnen.
Zum Schluß möchte ich noch etwas zu der Kritik am Buch von Jasmine Lee O´Neill sagen. Vielleicht muss man Autist sein um es durchgängig gut zu finden? Für mich war es - da mein erstes Buch zum Thema - eine Offenbarung, ein Ekennen von Dingen und Verhaltensweisen, für die ich bis dahin keine Erklärung hatte. In meiner Arbeit war das Buch eine große Hilfe und ich fand auch im Umgang mit anderen autistischen Kindern viele Bestätigungen für das Geschriebene. Vielleicht kommt es darauf an wie man das gelesene deutet und umsetzt. Das Lesen des Buches ging einher mit einem Aufatmen und war faszinierender als so manches Fachbuch.
Übrigens hat sich für mich niemals die Frage gestellt was der Grund für die autistische Beeinträchtigung der Kinder war, die ich zu betreuen hatte - ich habe sie so angenommen wie sie sind. Voll und ganz.