Die Frage der Sicherheit
Ich kenne das nur zu gut: wenn man meinen Sohn einen Moment nicht an der Hand hält, düst er sofort los. Da er seine Umwelt nicht richtig beurteilen kann, würde er noch mit seinen fünfeinhalb Jahren ohne zu gucken auf die Straße laufen. Wenn er mir also einmal weglaufen sollte, dann wäre das extrem gefährlich, ganz abgesehen davon, dass er nicht sprechen kann und niemand wüsste, wo er hingehört. Ich halte ihn darum an der Hand und bleibe immer direkt bei ihm. Er hat ein Talent, jeden Ausgang zu finden. In seine Jacke habe ich seinen Namen, Adresse und meine Mobilnummer geschrieben, falls er es bei aller Vorsicht doch einmal schaffen sollte wegzulaufen. Wir haben schon manchmal gescherzt, dass man ihm einen GPS-Sender einbauen sollte. In den USA gibt es jetzt so etwas Ähnliches: die Ion Kids Unit, stolzer Preis des Starter Kits ab $299.95, es geht bis über $500.
Mit so einer Idee kann ich mich wiederum nicht anfreunden. Zusammen mit der Kita und dem Einzelfallhelfer arbeiten wir daran, dass mein Sohn verstehen lernt, dass er nicht auf die Straße laufen oder verloren gehen darf. Wir haben schon ganz gute Erfolge, so waren wir zum Beispiel letzten Sonntag im Kuchenkaiser brunchen (wer das Kuchenkaiser in Kreuzberg kennt, weiß, dass das ziemlich groß und sonntags ziemlich trubelig ist). Mein Sohn war so umgänglich, dass er die meiste Zeit am Tisch sitzen blieb und zusammen mit mir zum Buffet ging. Man muss solche Situationen wohldosiert immer mal wieder einführen und langsam an der Verbesserung arbeiten. Gerade die geduldigen Verhaltenstherapien in der Frühfördergruppe haben innerhalb des letzten Jahres unglaublich gut angeschlagen. So eine Ion Kids Unit fördert das Verständnis und Verhalten des Kindes nicht, sie dressiert höchstens, auf ein Piepen zu reagieren. Das scheint mir doch eher eine dieser Arten zu sein, sich Abkürzungen im mühsamen Erziehungsgeschäft zu schaffen. Zu Lasten der Lernkapazität – und letztendlich auch der Eigenständigkeit – des Kindes. (Aber da die Therapiesituation in den USA gelinde gesagt eine Katastrophe ist, viel zu wenig Plätze, Probleme mit den Zahlungen der Krankenkasse etc., setzt man vielleicht schon eher mal auf so was.)
Man beachte, was C. & J. Bowser lustigerweise über dieses neue Gerät sagen: "I have had the ion-kids units in use now for a week and don't know how I managed without them! Not only do they work as described, but my son Charlie, who has autism, when his unit indicates that he has gone out of the range, he comes back into range to keep his unit from beeping. I never knew he would do that. My husband and I are finding that the kids are staying with us more because the old hide and seek game has ceased to be a game. We are not yelling and searching all over stores for them anymore. We use our FIND button. Game over." Allen Ernstes: der FIND Button ersetzt Erziehung, was?
Nicht verpassen: die lächerliche Animation "How it works".
Mit so einer Idee kann ich mich wiederum nicht anfreunden. Zusammen mit der Kita und dem Einzelfallhelfer arbeiten wir daran, dass mein Sohn verstehen lernt, dass er nicht auf die Straße laufen oder verloren gehen darf. Wir haben schon ganz gute Erfolge, so waren wir zum Beispiel letzten Sonntag im Kuchenkaiser brunchen (wer das Kuchenkaiser in Kreuzberg kennt, weiß, dass das ziemlich groß und sonntags ziemlich trubelig ist). Mein Sohn war so umgänglich, dass er die meiste Zeit am Tisch sitzen blieb und zusammen mit mir zum Buffet ging. Man muss solche Situationen wohldosiert immer mal wieder einführen und langsam an der Verbesserung arbeiten. Gerade die geduldigen Verhaltenstherapien in der Frühfördergruppe haben innerhalb des letzten Jahres unglaublich gut angeschlagen. So eine Ion Kids Unit fördert das Verständnis und Verhalten des Kindes nicht, sie dressiert höchstens, auf ein Piepen zu reagieren. Das scheint mir doch eher eine dieser Arten zu sein, sich Abkürzungen im mühsamen Erziehungsgeschäft zu schaffen. Zu Lasten der Lernkapazität – und letztendlich auch der Eigenständigkeit – des Kindes. (Aber da die Therapiesituation in den USA gelinde gesagt eine Katastrophe ist, viel zu wenig Plätze, Probleme mit den Zahlungen der Krankenkasse etc., setzt man vielleicht schon eher mal auf so was.)
Man beachte, was C. & J. Bowser lustigerweise über dieses neue Gerät sagen: "I have had the ion-kids units in use now for a week and don't know how I managed without them! Not only do they work as described, but my son Charlie, who has autism, when his unit indicates that he has gone out of the range, he comes back into range to keep his unit from beeping. I never knew he would do that. My husband and I are finding that the kids are staying with us more because the old hide and seek game has ceased to be a game. We are not yelling and searching all over stores for them anymore. We use our FIND button. Game over." Allen Ernstes: der FIND Button ersetzt Erziehung, was?
Nicht verpassen: die lächerliche Animation "How it works".
wasweissich Reha-Hilfsmittel - 9. Feb, 07:58
roland (anonym) - 9. Feb, 08:48
nur mal zwischendurch: ich bin sehr froh, wie du das hier fütterst. nächste woche bin ich und v dann auch endlich wirklich dabei ....
antworten
wasweissich - 9. Feb, 09:52
Viel Glück bei eurem Endspurt!
